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8.1.12 Abenteuer Tchibo Cafissimo Kapsel

Erstellt ab 24.01.2022

Neulich gab es im Tchibo-Online-Shop eine Cafissimo Kapselmaschine zum Schlagerpreis mit 50% Preisreduzierung. Da ich zusätzlich noch einen Gutschein mit 10% hatte, probierte ich aus, ob auch dieser Gutschein noch angerechnet werden würde.

Und siehe da: Beides wurde angerechnet und ich bekam die Maschine für rund 20€.

Ich bestellte gleich noch eine recht große Packung Kapseln dazu, denn hierauf gab es ja auch die 10% des Gutscheines.

Ich hatte mir gedacht, die Maschine in meine Werkstatt zu stellen und so geschah es dann auch. Übrigens schmeckt der Kaffee aus dieser Maschine wirklich sehr gut.

Allerdings sind Kaffeekapseln nun wirklich nicht preisgünstig. Also kam ich auf die Idee, bei Amazon zu schauen, ob es dort Kapseln zum Wiederbefüllen gibt. Ich wurde auch fündig, jedoch war der Preis ein wahrer Horror: Rund 30 Euro für nur eine einzige Nachfüllkapsel. Diese war dann zwar aus Edelstahl, aber trotzdem preislich jenseits von gut und böse.

Außerdem: Was wäre, wenn die Kapsel nun nicht in die Cafissimo-Maschine passen würde ?

Also beschloss ich, meinen Mess-Schieber hervor zu holen und eine gebrauchte Kapsel zu untersuchen, um diese eventuell auf meinem Elegoo Mars pro UV-Drucker nachzudrucken.

Eine gebrauchte Kapsel ist von beiden Seiten angstochen. Das macht die Maschine, wenn man die Kapsel eingelegt hat und den Spannhebel umgelegt hat.

 

 Jetzt interessierte ich mich für das Innenleben dieser Kapseln, zog die Folie ab und entfernte den Kaffee. Zum Vorschein kamen zwei Kunststoffsiebe mit den jeweiligen Druchmessern für unten und oben. Diese Siebe sind lediglich eingeklipst und sind  nach Gebrauch wie neu.

Nach meinen Überlegungen benötigen wir das obere (größere) Sieb nicht, jedoch müssen wir das untere (kleinere) Sieb schön sauber waschen und aufbewahren, denn es wird später in die selbst gedruckte Kapsel wieder eingepresst.

Nun habe ich mit einem recht großen Aufwand alles vermessen und habe mit TinkerCAD eine STL-Datei entworfen:

Im Moment befindet sich dies im Druck und ich bin sehr gespannt, ob es funktioniert.

Heute ist der 27.01.22 und es hat leider so noch nicht geklappt. Ich hatte als Material einfach PLA benutzt und es stellte sich heraus, dass der Kaffee zu heiß ist und das PLA bei dieser Temperatur bereits völlig "schlabberig" (weich) wird.

Also legte ich eine Rolle PETG ein (PET ist das Material der allseits bekannten Pfand-Saftflaschen). Ich tüftelte die Drucktemperatur zu 250 Grad aus und es sollte das Druckbett auf 80 Grad geheizt werden. Zudem verringerte ich die Linienbreite von 0,4mm auf 0.33 mm. Dadurch verschmelzen die einzelnen Linien besser miteinander. Abschließend erhöhte ich die Druckgeschwindigkeit geringfügig auf 43mm/Sekunde.

Ich habe auch erkannt, das man die Kapsel "über Kopf" drucken muss, da das Ergebnis sonst sehr unsauber am Kapselboden ist.

Hier noch einmal eine Bildschirmkopie der aktuellen Zeichnung:

 

Beim Sclicen mit Cura gilt es zu beachten, dass die Stützstruktur eingeschaltet wird und nur bei Bodenberührung aktiv ist. Das sieht dann so aus:

Damit hatte ich dann gute Ergebnisse.

Es ist dann also doch nicht nötig, das man alte Cafissimo-Kapseln auseinander nimmt und die Siebe aufbewahrt, denn die eingezeichneten Schlitze mit ihren 0,5mm erfüllen diesen Zweck genau so gut.

Heute ist der 30.01.2022 und ich muss wohl eventuell das Projekt "Kaffeekapsel" aufgeben.

Mir war es zwar gelungen, mit dem oben gezeigten 3D-Ausdruck passgenaue Kapseln zu drucken und die waren auch mit PETG haltbar genug, jedoch hatte der Kaffee wie "Laternenpfahl ganz unten" geschmeckt.

Es scheint wohl so zu sein, dass das PETG doch nicht so ganz lebensmittelecht ist, denn es ging von den Kapseln ein gehöriger Plastik-Geschmack aus, der den Kaffee ungenießbar machte.

Inzwischen ist der 01.02.2022 und ich habe bei Amazon nochmal nach Kaffeekapseln zum Wiederbefüllen geschaut. Es gibt sogar welche, die speziell für die Cafissimo Maschine passen sollen, aber die sind alle aus Edelstahl gefertigt und kosten zwischen 19,99 € und 30 € pro Stück.

Das ist ein Preis der mir persönlich entschieden zu hoch ist und auch druch das Material Edelstahl nicht gerechtfertigt ist.

Also schaute ich weiter und habe hier auch Kapseln gefunden, die mit rund 13 € für drei Kapseln in eine erträgliche Preiskategorie fallen. Ich orderte also ein Päckchen dieser Kapseln, um mal zu schauen, wie maßgenau die sind.

Die Kapseln trafen so schnell ein, dass ich schon glaubte, Amazon würde sie im Keller des Nacharn lagern und von dort aus versenden.

Sie sehen so aus:

Das entspricht schon sehr genau einem Original. Jedoch ist die Höhe der Kapsel 2mm größer als das Original !

Deshalb passen diese Kapseln auch ohne Bearbeitung nicht in die Cafissimo-Maschine !!!

Woran das liegt, sehen wir in diesem Bild:

Während die Originalkapsel nach innen gewölbt ist (links), ist die Befüllkapsel nach außen gewölbt (rechts). Das ergibt unsägliche 2mm Differenz. so dass die Befüllkapsel nicht passt. Die Maschine lässt sich mit der Befüllkaspel nicht verriegeln.

Aber ich wäre nicht der Strippenstrolch, wenn ich keine Lösung dafür gefunden hätte.

 Ich opferte eine Kapsel  und untersuchte den Kunststoff. Es ist ein Thermoplast, welchen man stark erwärmen und dann umformen kann. Also erwärmen, umformen, abkühlen. Dann bleibt der Kunststoff in der neuen Formgebung stehen.

Aus dieser Erkenntnis zeichnete ich mir mit TinkerCAD eine "Gesenk-Quetsche", in die eine Nachfüllkapsel saugend hinein passt. Der Boden der "Gesenk-Quetsche" entspricht dabei der original Form einer original Cafissimo-Kapsel.

Hier ist die Zeichnung der "Gesenk-Quetsche" zu sehen:

Links ist die Pressform und rechts der Pressdeckel.

Diese Quetsche ist dafür ausgelegt, in einen Schraubstock eingespannt zu werden:

  • Kapselboden mit Heißluftföhn erhitzen (langsam)
  • Kapsel in die Quetsche einlegen (zügig)
  • Deckel auf die Quetsche setzen (zügig)
  • Im Schraubstock quetschen (zügig)
  • Abkühlen lassen (sehr langsam)
  • Schraubstock öffnen
  • Kapsel entnehmen

Nach diesem Vorgang ist die Kapsel passgenau für die Cafissimo-Maschine. Die Maschine lässt sich nun mit den so bearbeiteten Kapseln bestücken und auch mit leichtem Druck verriegeln.

Um eine Kapsel in der Quetsche quetschen zu können muss man das kleine Dichtungsgummi und das Edelstahlsieb aus der Kapsel drücken:

 

Dazu kann man mit einem Schraubendreher vorsichtig von unten in das Loch drücken, bis das Sieb heraus hüpft. Damit löst sich auch die Dichtung, die wir entsorgen können, denn die Cafissimo-Maschine hat ihre eigenen Dichtungen bereits eingebaut.

Achtung: Fertig gequetschte Kapseln bitte mit Vorsicht in der Maschine verriegeln.
Wenn das zu schwergängig ist, kannst du die Kapseln noch einmal nachquetschen.

Vielleicht hatte der Kapselboden noch nicht die richtige Temperatur, um sich umformen zu lassen.

Niemals mit Gewalt verriegeln !!!
Deine Caffissimo-Maschine würde unweigerlich zerstört werden !

Ich hafte nicht für Schäden jeglicher Art !

Zum Schluss hier noch die STL-Datei der Quetsche zum Download:

Download Gesenk-Quetsche STL (gesenk-quetsche.zip, 19,5kB)

Sicherlich macht es Sinn, die Quetsche nicht mit PLA zu drucken, sondern vielleicht mit PETG oder ABS. Sonst könnte es vielleicht sein, dass sich die Quetsche durch die hohe Temperatur des Kapselbodens selber verformt.
Wer einen UV-Harz-Drucker hat, hat diese Problematik nicht, denn das fertig gedruckte UV-Harz hält diesen Temperaturen stand.

Meine Quetsche ist aus UV-Harz gedruckt und funktionierte einwandfrei:

 Ach ja:

Du darfst natürlich nicht vergessen, das Edelstahlsieb nach der Quetschung wieder einzusetzen.

 

Hmmm ... 

... jetzt müsste ich nur noch gucken, welcher Pulverkaffee denn nun mit der Maschine am besten schmeckt.

 

Es war ein tolles 3D-Druck-Quetsch-Abenteuer.

Immer leckeren Kaffee wünscht

 

 

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